Bau- und Stadtentwicklung
Schneller und einfacher ökologisch bauen: Landesbauordnung novellieren
Vorhandene Quartiere, Flächen und Gebäude müssen beim Bauen einfacher neu genutzt werden können.
Preisgünstigen Wohnraum schneller und einfacher zu schaffen, ohne dabei unsere Umwelt zu vernachlässigen, das ist die zentrale Herausforderung der Baupolitik. Auf Initiative der Grünen debattiert die Bremische Bürgerschaft daher in der kommenden Woche einen Antrag zur Novellierung der Landesbauordnung (LBO) angesichts der aktuellen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen. Bithja Menzel, bau- und stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, erklärt dazu: „Wenn einfacher, günstiger und ökologischer gebaut werden soll, spielt dabei der Gebäudebestand eine große Rolle. Denn wir brauchen eine effiziente Nutzung der bereits versiegelten Flächen und erschlossenen Quartiere, um Neuversiegelung in der Natur und im städtischen Außenbereich zu vermeiden. Außerdem sparen Nutzung, Umnutzung und Umbau bestehender Gebäude einen erheblichen Anteil an Material und Ressourcen, sogenannter „Grauer Energie“. Gerade auch Immobilien von Privatleuten, die aufgestockt und umgebaut werden können, profitieren von einer besseren Ausnutzung ihrer Räume – sei es für die eigene Nutzung oder für die finanzielle Altersvorsorge durch Vermietung.“
Umbauen erleichtern
Deshalb will die rot-grün-rote Koalition in Bremen sich auf Initiative der Grünen künftig an der fortschrittlichen Umbauordnung aus Niedersachsen orientieren und mit einer Novelle der LBO Hürden für das Bauen im Bestand deutlich senken. „Damit öffnen wir ein Experimentierfeld im Baurecht, das auch in Bremen nach und nach mit möglichst vielen Praxisbeispielen eine entspanntere Sicht auf Umbauvorhaben und die gesetzlichen Auflagen ermöglicht“, freut sich Bithja Menzel. „Gleichzeitig schaffen wir mit einer neuen Umbauordnung greifbare Erleichterungen: Die zu reformierende Landesbauordnung soll konkret benennen, was möglich ist und gemacht werden kann. So bietet unser Antrag Ideen und Anhaltspunkte für Bauträger und Umbauwillige: Es wird künftig bei der Aufstockung bestehender Gebäude auf die Pflicht zur Nachrüstung von Aufzuganlagen verzichtet. Auch ein zweiter Rettungsweg an Gebäuden soll leichter hergestellt und nachgewiesen werden können, etwa durch technische Gerätschaften für die Feuerabwehr.“
Anträge digitalisieren
Außerdem soll der digitale Bauantrag noch in diesem Jahr zum Standardvorgang werden: „Die Digitalisierung ist unverzichtbar, sie vereinfacht die Antragsstellung und die Bearbeitung der Anträge – das wird die Arbeit sowohl bei den Bauträgern als auch in der Verwaltung entscheidend verändern“, so Menzel. Abschließend weist die baupolitische Sprecherin der Grünen darauf hin, dass auch der in Bremen bisher besonders strikte Schallschutz nicht weiter ein ständiger Baukostentreiber bleiben soll: „Wir vereinfachen den Schallschutz und beschränken ihn auf die bundesweit geltenden Regeln. Das ist ein gutes Beispiel für bisher überdurchschnittliche Standards in Bremen, die sinnvoll zu reformieren sind.“